Therapie &
Praxis

„Don‘t talk – walk!“

Das Ganglabor in der DianaKlinik Bad Bevensen

Ein Zirkeltraining der besonderen Art: Seit September 2020 bietet eine der größten Reha-Kliniken Norddeutschlands ihren Patienten eine innovative Gang-Rehabilitation.

Mareike Hoffmann

Als 2018 Überlegungen anstanden, wie sich die Physiotherapie der DianaKlinik Bad Bevensen fachlich weiterentwickeln kann, wurden mehrere Aspekte der Therapie überarbeitet. Bestehende Gruppenangebote wurden inhaltlich angepasst und aufeinander aufbauend strukturiert. Alles in allem waren die Gruppentherapien sinnhaft, doch bestand der Ansporn, diese noch zu optimieren.

Orientiert man sich an aktuellen Leitlinien, sollte ein Patient nach Schlaganfall ca. 800 Schritte am Tag gehen. Dies ist mit herkömmlicher Therapie und vor allen Dingen im Gruppensetting nicht umsetzbar. Dementsprechend stand eine Anschaffung eines Gangtrainers im Raum. Messen und Symposien – darunter das 9. THERA-Trainer Symposium zum Thema „Einsatz von Robotik in der modernen Gangrehabilitation“ – dienten zur Informationsbeschaffung. Die Weiterbildung „Neurophysiotherapie“ untermauerte die Idee nochmals, und so entschieden wir uns für ein ganz neues Konzept: Die bereits vorhandenen Geräte sollten um die Gesamtlösung von THERA-Trainer ergänzt und in einem Zirkel angeordnet als Ganglabor präsentiert werden.

Nach einer Umbauphase wurde der mit 170 m² größte Gruppenraum der DianaKlinik zum neuen Ganglabor der Physiotherapie. Parallel dazu ist in einem Raum direkt nebenan das Armlabor der Ergotherapie entstanden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist bei uns ein wichtiger Aspekt, der durch diese örtliche Zusammenlegung deutlich erleichtert wird.

Übrigens: Ein inoffizieller Slogan für das Ganglabor war auch schnell gefunden. Seitdem ein Kollege einen nicht deutschsprachigen Patienten mit den Worten „Don`t talk – walk!“ zu mehr Konzentration motivierte, hat sich genau dieser – natürlich ein wenig augenzwinkernd zu verstehende – Appell unter den Mitarbeitern als eine Art Marke etabliert.

Da ist zum Beispiel der kreislaufinstabile Patient, dessen Körper sich wieder daran gewöhnen muss, in der Vertikalen zu stehen. Und dann gibt es den Fußgänger, der sich augenscheinlich selbstständig fortbewegen kann, dessen Gehgeschwindigkeit aber noch nicht ausreichend ist, um an seinem normalen Alltag zu partizipieren.

 

Das Ganglabor hat einen herausragenden Vorteil: Hier kann ein großes Patientenspektrum therapiert werden.

Mit Hilfe des „Functional Ambulation Categories“ (FAC) bestimmen die Physiotherapeuten im ersten Termin die Unterstützung, die der Patient in Hinblick auf die Gehfähigkeit benötigt. Anhand dieses Scores und der Befundung können sie dann die passende Therapie im Ganglabor wählen.

Doch nicht nur die Patienten erfahren einen Vorteil, auch für die im Ganglabor eingesetzten Kollegen bietet diese offene Form der Therapie spannende Möglichkeiten und einen professionellen Austausch.

Digitale Auswertungen der einzelnen Übungen weisen Fortschritte des Patienten auf und steuern somit die weiterführende Therapie. Sowohl in der täglichen Dokumentation, als auch in Reha-Team-Besprechungen können Kollegen den Verlauf des Patienten beschreiben, aber seither auch messbar belegen – eine deutliche Qualitätssteigerung!