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THERAPIE & PRAXIS
Mit dem THERA‑Trainer balo das Gleichgewicht verbessern

Rückblick auf ein Webinar zu posturaler Kontrolle, motorischem Lernen und technologisch gestützter Therapie

Author
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Im Webinar stellte Alisa Barthel, Physiotherapeutin und Fachtherapeutin für Neurorehabilitation sowie Gründerin des Therapeuticum Gehrden, ihren praxisnahen Ansatz zum Einsatz des THERA-Trainer balo in der neurologischen Rehabilitation vor. Ausgangspunkt war ein kurzer Einblick in das interdisziplinäre, evidenzbasierte Praxiskonzept, das technologiegestützte Therapie mit hoher Repetition, Feedbackmechanismen und motivationalen Elementen kombiniert. Deutlich wurde, dass moderne Geräte nicht als Ersatz, sondern als gezielte Ergänzung therapeutischer Expertise verstanden werden.
Motorisches Lernen und Neuroplastizität als Wirklogik
Im theoretischen Teil ordnete Alisa den balo in zentrale Prinzipien des motorischen Lernens ein. Neuroplastizität, hohe Wiederholungszahlen, ausreichend hohe Trainingsintensität, individualisierbare Dosierung sowie kontinuierliches visuelles und akustisches Feedback wurden als zentrale Wirkfaktoren herausgearbeitet. Besonders betont wurde der Nutzen von Gamification zur Steigerung der Adhärenz und Eigenmotivation, ohne dabei die therapeutische Steuerung aus der Hand zu geben. Die Technologie ermöglicht objektivierbare Verlaufsdokumentation und macht Fortschritte für Patienten, Angehörige und Behandler transparent.
Einordnung des THERA-Trainer balo im Gerätespektrum
Anschließend wurde der THERA-Trainer balo in Funktion, Aufbau und Einsatzlogik vorgestellt. Der balo schließt die Lücke zwischen passiven Stehtrainern und komplexen Gangrobotik-Systemen. Er erlaubt dynamisches Steh- und Balancetraining in verschiedenen Freiheitsgraden (laterale sowie anteroposteriore Gewichtsverlagerungen) und bietet durch Sensorik ein Echtzeit-Feedback des Körperschwerpunkts. Sicherheitsmechanismen wie das Aufricht- und Haltesystem ermöglichen den Einsatz auch bei stark eingeschränkten Patienten, die nicht stehfähig sind. Die Möglichkeit, den balo sowohl statisch als auch dynamisch mit variablen Freiheitsgraden zu nutzen, wurde als wesentlicher Vorteil für die stufenweise Therapieprogression hervorgehoben.
Posturale Kontrolle: antizipatorisch und reaktiv trainieren
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der posturalen Kontrolle als Grundlage funktioneller Mobilität. Alisa differenzierte zwischen antizipatorischen Gleichgewichtsreaktionen, die gezielt über visuell gesteuerte Gewichtsverlagerungen trainiert werden, und reaktiven Gleichgewichtsreaktionen, die durch unerwartete Perturbationen provoziert werden. Der balo eignet sich insbesondere für das Training antizipatorischer Kontrolle; reaktive Anteile wurden bewusst durch therapeutisch initiierte Störungen ergänzt. Dadurch konnte ein funktional relevantes Training von Sturzreaktionen, Schutzschritten und Rumpfstabilität in sicherem Setting demonstriert werden.
Praxisbeispiele und objektivierbare Therapieeffekte
Die Praxisbeispiele zeigten eindrücklich, wie der balo in unterschiedlichen klinischen Konstellationen eingesetzt werden kann, unter anderem bei Multipler Sklerose, nach Schlaganfall, bei Parkinson-Syndromen und bei inkompletter Tetraplegie. Anhand von Videoausschnitten und Verlaufsdaten wurde sichtbar, wie sich anteroposteriore Gewichtsverlagerung, laterale Stabilität und Standtoleranz innerhalb weniger Wochen messbar verbesserten. Ergänzende therapeutische Strategien wie Forced-Use-Ansätze, Dual-Tasking, kognitive Zusatzaufgaben oder das bewusste Verhindern von Stützstrategien wurden als Beispiele für die notwendige aktive therapeutische Steuerung gezeigt. Die objektiven Verlaufsgraphen verdeutlichten den Mehrwert quantifizierbarer Outcomes für Therapieplanung, Motivation und interprofessionelle Kommunikation.
Posturale Kontrolle beginnt im Stand – Gleichgewicht ist kein Nebenprodukt, sondern ein zentraler Therapieschwerpunkt.
Integration in Versorgungskonzepte und Alltag
In der Diskussion wurde die Einbettung des balo in Einzel-, Parallel- und Gruppensettings thematisiert, etwa im Rahmen von Zirkeltrainings oder kombinierten Therapieformen. Zudem wurde der Einsatz im häuslichen Setting angesprochen. Die Verordnungsfähigkeit als Hilfsmittel, unterstützt durch standardisierte Antragsvorlagen, ermöglicht in geeigneten Fällen eine kontinuierliche Weiterführung des Trainings außerhalb der Praxis. Der balo wurde damit nicht nur als therapeutisches Instrument, sondern auch als Brücke zwischen ambulanter Versorgung, Training im Alltag und langfristiger Selbstwirksamkeit eingeordnet.
Fazit: Technologie als Verstärker therapeutischer Wirksamkeit
Das Fazit des Webinars war klar: Der THERA-Trainer balo stellt eine funktionale, evidenzorientierte Ergänzung für das Gleichgewichts- und Stehtraining in der Neurorehabilitation dar. Sein Mehrwert liegt in der Kombination aus sicherem Setting, hoher Trainingsintensität, objektivierbarem Feedback und breiter therapeutischer Einsetzbarkeit. Entscheidend bleibt die kompetente therapeutische Einbettung, die den balo in ein individuelles, zielorientiertes Behandlungskonzept integriert.
Objektivierbare Fortschritte schaffen Motivation – sichtbar für Patienten, Angehörige und Behandler.
Author
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Jakob Tiebel, Ergotherapeut, Studium in angewandter Psychologie mit Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft. Klinische Expertise durch frühere therapeutische Tätigkeit in der Neurorehabilitation. Forscht und publiziert zum Theorie-Praxis-Transfer in der Neurorehabilitation und ist Inhaber von einer Agentur für digitales Gesundheitsmarketing.
References:
  1. Image source: Therapeuticum Gehrden

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