TECHNOLOGIE & ENTWICHLUNG
Vernetzte Assistenzsysteme in der ambulanten Sturzprävention
Evidenz aus CARE REGIO und die Rolle des THERA-Trainer
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Was passiert, wenn digitale Sturzprävention nicht bei der Datenerhebung stehen bleibt? Die CAREREGIO-Studie deutet an, dass der eigentliche Versorgungsmehrwert nicht in einzelnen Sensoren liegt, sondern in der intelligenten Verbindung von Monitoring, Alltagstauglichkeit und bewegungsorientierter Intervention. Damit rückt eine zentrale Frage in den Fokus: Unter welchen Bedingungen gelingt es, digitale Assistenzsysteme so in die ambulante Versorgung einzubetten, dass sie nicht nur Sicherheit versprechen, sondern funktionellem Abbau tatsächlich entgegenwirken – und Sturzprävention vom technischen Add-on zum wirksamen Versorgungsauftrag machen?
Sturzprävention als Versorgungsauftrag
Ambulante Versorgung älterer Menschen steht im deutschsprachigen Raum unter einem doppelten Transformationsdruck: Einerseits führt der demografische Wandel zu einem steigenden Anteil hochaltriger Personen mit Multimorbidität und funktionellen Einschränkungen; andererseits verschärft sich der Fachkräftemangel in Pflege und Therapie. Stürze stellen in diesem Setting ein zentrales Risikoereignis dar, da sie häufig die Schwelle von fragiler Selbstständigkeit hin zu akuter Hospitalisierung, funktionellem Abbau und dauerhafter Pflegebedürftigkeit markieren. Präventive Strategien, die im Alltag der Betroffenen anschlussfähig sind und zugleich pflegerische bzw. therapeutische Prozesse unterstützen, besitzen daher hohe Relevanz.
Digitale Assistenzsysteme werden seit Jahren als potenzieller Hebel diskutiert, um Prävention, Monitoring und Versorgungskoordination in häuslichen Kontexten zu stärken. Gleichwohl bleibt die Translation in die Routineversorgung begrenzt. zentrale Ursache liegt weniger in der Verfügbarkeit einzelner Geräte als in deren mangelnder Integration in Arbeitsabläufe, unzureichender Benutzerfreundlichkeit sowie fehlender Unterstützung bei Implementierung und Betrieb. Vor diesem Hintergrund adressiert die im CARE-REGIO-Kontext durchgeführte Studie „Digital assistants for outpatient care: benefits of intelligent connected assistive systems for caregivers and elderly people“ (Gaßner et al., 2025) die Frage, ob eine holistische, vernetzte Zusammenstellung von Assistenztechnologien in der ambulanten Sturzprävention einen messbaren und subjektiv erlebbaren Zusatznutzen erzeugt – und unter welchen Bedingungen dieser Nutzen realisiert werden kann.
Digitale Assistenzsysteme werden seit Jahren als potenzieller Hebel diskutiert, um Prävention, Monitoring und Versorgungskoordination in häuslichen Kontexten zu stärken. Gleichwohl bleibt die Translation in die Routineversorgung begrenzt. zentrale Ursache liegt weniger in der Verfügbarkeit einzelner Geräte als in deren mangelnder Integration in Arbeitsabläufe, unzureichender Benutzerfreundlichkeit sowie fehlender Unterstützung bei Implementierung und Betrieb. Vor diesem Hintergrund adressiert die im CARE-REGIO-Kontext durchgeführte Studie „Digital assistants for outpatient care: benefits of intelligent connected assistive systems for caregivers and elderly people“ (Gaßner et al., 2025) die Frage, ob eine holistische, vernetzte Zusammenstellung von Assistenztechnologien in der ambulanten Sturzprävention einen messbaren und subjektiv erlebbaren Zusatznutzen erzeugt – und unter welchen Bedingungen dieser Nutzen realisiert werden kann.
Mixed Methods Studie in einem realweltlichen häuslichen Setting
Die Untersuchung folgt einem Mixed-MethodsDesign, das qualitative Interviews mit quantitativen Fragebogenerhebungen kombiniert. Der Ansatz ist explorativ und klar auf Versorgungsrealität ausgerichtet: Pflegebedürftige nutzten die Systeme fünf Wochen lang im eigenen Zuhause; Pflegekräfte griffen auf die entstehenden Daten über eine Datenintegrationsplattform zu. Zentrale Idee war die Abbildung eines „connected assistive system“: Vitalparameter- und Aktivitätsdaten werden über verschiedene Geräte erhoben, interoperabel zusammengeführt und pflegerisch nutzbar gemacht.
Teilnehmende
Insgesamt nahmen 33 Personen teil: 11 Pflegekräfte und 22 Pflegebedürftige. Das Durchschnittsalter der Pflegebedürftigen betrug 80,7 Jahre (Spannweite 54–95 Jahre). Die Pflegekräfte waren im Mittel 45,6 Jahre alt, mit im Durchschnitt rund 19 Jahren Berufserfahrung. Einschlusskriterien umfassten bei den Pflegebedürftigen die Fähigkeit, die Systeme selbstständig zu verwenden; Personen mit erheblichen Schwierigkeiten im Umgang mit Technik oder mit Übergang in stationäre Versorgung wurden ausgeschlossen.
Assistive Systeme
Die Auswahl erfolgte bedarfsorientiert: Pflegebedürftige konnten, gemeinsam mit den Pflegekräften, bis zu fünf Systeme wählen. Dazu gehörten eine Smartwatch (Withings ScanWatch 2), eine Schlafmatte (Withings Sleep Analyzer), Blutdruckmessgerät und Waage (A&D) sowie als bewegungsbezogene Intervention ein Beintrainer, der THERA-Trainer tigo.
Teilnehmende
Insgesamt nahmen 33 Personen teil: 11 Pflegekräfte und 22 Pflegebedürftige. Das Durchschnittsalter der Pflegebedürftigen betrug 80,7 Jahre (Spannweite 54–95 Jahre). Die Pflegekräfte waren im Mittel 45,6 Jahre alt, mit im Durchschnitt rund 19 Jahren Berufserfahrung. Einschlusskriterien umfassten bei den Pflegebedürftigen die Fähigkeit, die Systeme selbstständig zu verwenden; Personen mit erheblichen Schwierigkeiten im Umgang mit Technik oder mit Übergang in stationäre Versorgung wurden ausgeschlossen.
Assistive Systeme
Die Auswahl erfolgte bedarfsorientiert: Pflegebedürftige konnten, gemeinsam mit den Pflegekräften, bis zu fünf Systeme wählen. Dazu gehörten eine Smartwatch (Withings ScanWatch 2), eine Schlafmatte (Withings Sleep Analyzer), Blutdruckmessgerät und Waage (A&D) sowie als bewegungsbezogene Intervention ein Beintrainer, der THERA-Trainer tigo.
Sturzprävention beginnt nicht beim Sturz – sondern bei der täglichen Bewegung im Alltag.
Datenintegration
Die Datenintegrationsplattform (DIP) basierte auf dem telemedizinischen System COMES® und wurde mit zusätzlicher Middleware und einem neuen Web-Frontend für Pflegekräfte weiterentwickelt. Die Studie betont explizit, dass in früheren Feldtests Defizite in Interoperabilität und Übertragungsstabilität identifiziert worden waren und vor Beginn der Untersuchung gezielt adressiert wurden – ein relevanter Schritt, da technische Zuverlässigkeit als Voraussetzung jeder Versorgungsimplementierung gilt.
Erhebungsinstrumente
Qualitative Interviews wurden jeweils vor und nach der Intervention geführt und mit strukturierter Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Quantitativ wurde bei Pflegebedürftigen die System Usability Scale (SUS) eingesetzt; bei Pflegekräften ein eigens entwickelter Fragebogen zur Integration in die Routine und zur wahrgenommenen Nützlichkeit. Zusätzlich wurde die technische Stabilität indirekt über dokumentierte Serviceinterventionen bewertet.
Die Datenintegrationsplattform (DIP) basierte auf dem telemedizinischen System COMES® und wurde mit zusätzlicher Middleware und einem neuen Web-Frontend für Pflegekräfte weiterentwickelt. Die Studie betont explizit, dass in früheren Feldtests Defizite in Interoperabilität und Übertragungsstabilität identifiziert worden waren und vor Beginn der Untersuchung gezielt adressiert wurden – ein relevanter Schritt, da technische Zuverlässigkeit als Voraussetzung jeder Versorgungsimplementierung gilt.
Erhebungsinstrumente
Qualitative Interviews wurden jeweils vor und nach der Intervention geführt und mit strukturierter Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Quantitativ wurde bei Pflegebedürftigen die System Usability Scale (SUS) eingesetzt; bei Pflegekräften ein eigens entwickelter Fragebogen zur Integration in die Routine und zur wahrgenommenen Nützlichkeit. Zusätzlich wurde die technische Stabilität indirekt über dokumentierte Serviceinterventionen bewertet.
Zentrale Ergebnisse: Akzeptanz hoch – Nutzen abhängig von Integration
Usability und Akzeptanz bei Pflegebedürftigen
Die SUS-Auswertung ergab einen Mittelwert von 78,6 (SD 9,8; n=20), was typischerweise einem guten bis sehr guten Gebrauchstauglichkeitsniveau entspricht. Itemanalysen deuten auf geringe wahrgenommene Komplexität und eine insgesamt hohe Zufriedenheit hin. Gleichzeitig zeigt sich eine schwache negative Korrelation zwischen Alter und SUS-Score, was mit qualitativen Aussagen übereinstimmt: Hochaltrige äußerten häufiger Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Geräten. Alltagstauglich wurden Systeme beschrieben, die wenig Interaktion erfordern (z. B. Waage, Schlafmatte). Kritik bezog sich vor allem auf Geräte, die eigenständiges Handling voraussetzen (Smartwatch-Bedienung, Blutdruckmessung ohne Hilfe). Wiederholt wurde der Bedarf an intensiverer Unterstützung und längerer Testdauer genannt. In den Interviews berichteten zahlreiche Pflegebedürftige nach fünf Wochen von einem gesteigerten Sicherheitsgefühl, insbesondere durch die regelmäßige Vitaldatenerfassung.
Perspektive der Pflegekräfte: Dokumentationsgewinn vs. befürchtete Mehrarbeit
Pflegekräfte zeigten zu Studienbeginn eine positive Grundhaltung gegenüber digitaler Assistenz, jedoch begleitet von der Sorge, dass Technik zusätzliche Zeit und Komplexität in ohnehin verdichtete Abläufe bringt. Nach der Intervention wurde insbesondere der Nutzen in der systematischen Erhebung und Dokumentation von Gesundheitsdaten hervorgehoben. Die Erwartung einer spürbaren Entlastung der täglichen Arbeitsbelastung relativierte sich jedoch: Der wahrgenommene Effekt hing stark davon ab, wie gut die Systeme in bestehende Prozesse integriert werden konnten. Die quantitativen Werte spiegeln dies: Hohe Offenheit und positive Einstellung stehen relativ niedrigen Zustimmungswerten bei physischer, psychischer und zeitlicher Entlastung gegenüber. In Freitextantworten wird der Nutzen explizit an „Zeitersparnis“ und „Vermeidung zusätzlicher Bürokratie“ geknüpft. Die Studie leitet daraus die zentrale Implementationsbotschaft ab: Technologie ist nur dann hilfreich, wenn sie Routineprozesse tatsächlich unterstützt, nicht erweitert.
Technische Zuverlässigkeit als Realweltfaktor
Über den Untersuchungszeitraum hinweg wurden 23 Serviceinterventionen dokumentiert, davon 10 mit Vor-Ort-Besuch. Die Interventionsrate wird als niedrig beschrieben und nahm im Verlauf ab – ein Hinweis darauf, dass das System unter Realweltbedingungen grundsätzlich stabil betrieben werden konnte und dass begleitende Supportprozesse wirksam waren.
Die SUS-Auswertung ergab einen Mittelwert von 78,6 (SD 9,8; n=20), was typischerweise einem guten bis sehr guten Gebrauchstauglichkeitsniveau entspricht. Itemanalysen deuten auf geringe wahrgenommene Komplexität und eine insgesamt hohe Zufriedenheit hin. Gleichzeitig zeigt sich eine schwache negative Korrelation zwischen Alter und SUS-Score, was mit qualitativen Aussagen übereinstimmt: Hochaltrige äußerten häufiger Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Geräten. Alltagstauglich wurden Systeme beschrieben, die wenig Interaktion erfordern (z. B. Waage, Schlafmatte). Kritik bezog sich vor allem auf Geräte, die eigenständiges Handling voraussetzen (Smartwatch-Bedienung, Blutdruckmessung ohne Hilfe). Wiederholt wurde der Bedarf an intensiverer Unterstützung und längerer Testdauer genannt. In den Interviews berichteten zahlreiche Pflegebedürftige nach fünf Wochen von einem gesteigerten Sicherheitsgefühl, insbesondere durch die regelmäßige Vitaldatenerfassung.
Perspektive der Pflegekräfte: Dokumentationsgewinn vs. befürchtete Mehrarbeit
Pflegekräfte zeigten zu Studienbeginn eine positive Grundhaltung gegenüber digitaler Assistenz, jedoch begleitet von der Sorge, dass Technik zusätzliche Zeit und Komplexität in ohnehin verdichtete Abläufe bringt. Nach der Intervention wurde insbesondere der Nutzen in der systematischen Erhebung und Dokumentation von Gesundheitsdaten hervorgehoben. Die Erwartung einer spürbaren Entlastung der täglichen Arbeitsbelastung relativierte sich jedoch: Der wahrgenommene Effekt hing stark davon ab, wie gut die Systeme in bestehende Prozesse integriert werden konnten. Die quantitativen Werte spiegeln dies: Hohe Offenheit und positive Einstellung stehen relativ niedrigen Zustimmungswerten bei physischer, psychischer und zeitlicher Entlastung gegenüber. In Freitextantworten wird der Nutzen explizit an „Zeitersparnis“ und „Vermeidung zusätzlicher Bürokratie“ geknüpft. Die Studie leitet daraus die zentrale Implementationsbotschaft ab: Technologie ist nur dann hilfreich, wenn sie Routineprozesse tatsächlich unterstützt, nicht erweitert.
Technische Zuverlässigkeit als Realweltfaktor
Über den Untersuchungszeitraum hinweg wurden 23 Serviceinterventionen dokumentiert, davon 10 mit Vor-Ort-Besuch. Die Interventionsrate wird als niedrig beschrieben und nahm im Verlauf ab – ein Hinweis darauf, dass das System unter Realweltbedingungen grundsätzlich stabil betrieben werden konnte und dass begleitende Supportprozesse wirksam waren.
Der entscheidende Punkt in der Sturzprävention: Monitoring allein genügt nicht
Die Studie adressiert Sturzprävention als mehrdimensionales Geschehen: Sturzrisiko ist nicht nur das Ergebnis einzelner Vitalparameter, sondern Ausdruck funktioneller Leistungsfähigkeit, Alltagsaktivität, Gleichgewicht, Kraft und Reaktionsfähigkeit – also Faktoren, die sich nur begrenzt durch Messung, aber potenziell durch gezielte Intervention beeinflussen lassen. Genau hier wird die Rolle bewegungsorientierter Assistenz sichtbar.
Viele digitale Systeme in der häuslichen Versorgung liefern primär Daten. Daten können Sicherheit vermitteln, Verlaufskontrolle verbessern und Frühwarnsignale ermöglichen. Der therapeutisch relevante „Sprung“ entsteht jedoch erst, wenn Daten in Handlungen übersetzt werden: Anpassung von Maßnahmen, Motivation zur Aktivität, gezieltes Training. Vor diesem Hintergrund ist die Einbindung eines Bewegungsgeräts wie des THERA-Trainers nicht nur eine weitere Komponente, sondern eine konzeptionelle Ergänzung: Sie schließt die Lücke zwischen Risikodetektion und Risikomodifikation.
Viele digitale Systeme in der häuslichen Versorgung liefern primär Daten. Daten können Sicherheit vermitteln, Verlaufskontrolle verbessern und Frühwarnsignale ermöglichen. Der therapeutisch relevante „Sprung“ entsteht jedoch erst, wenn Daten in Handlungen übersetzt werden: Anpassung von Maßnahmen, Motivation zur Aktivität, gezieltes Training. Vor diesem Hintergrund ist die Einbindung eines Bewegungsgeräts wie des THERA-Trainers nicht nur eine weitere Komponente, sondern eine konzeptionelle Ergänzung: Sie schließt die Lücke zwischen Risikodetektion und Risikomodifikation.
Der Nutzen des THERA-Trainers im CARE-REGIO-Konzept: interventionell, anschlussfähig, datenfähig
Auch wenn die Studie nicht als Wirksamkeitsprüfung eines einzelnen Geräts angelegt ist, lässt sich aus Aufbau, Zielsetzung und Ergebnismustern eine fachlich robuste Argumentationslinie zur Rolle des THERA-Trainers ableiten.
Bewegung als primäre Präventionslogik
Die Autorengruppe verortet die Intervention ausdrücklich im Präventionsparadigma. Gerade im häuslichen Setting, in dem externe Trainingsangebote häufig nicht erreichbar sind, gewinnen niedrigschwellige, angeleitete Trainingsformen an Bedeutung. Der THERA-Trainer adressiert genau diese Versorgungsbarriere: Er ermöglicht strukturiertes Training in der Wohnung und kann damit – in der Logik der Studie – zur Vorbeugung von Funktionsverlust und Pflegebedürftigkeit beitragen.
Praktikabilität und Benutzerfreundlichkeit als zentrale Akzeptanzdeterminanten
Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für Systeme, die sich ohne große Bedienanforderungen in den Alltag integrieren lassen. Im Vergleich zu komplexen Wearables oder Messgeräten ist ein Bewegungstrainer häufig weniger kognitiv belastend: Training kann als Routine etabliert werden, ohne Menüführung, App-Navigation oder häufige Interaktionsschritte. Dieser Aspekt ist im hochaltrigen Kollektiv bedeutsam, da Usability-Probleme dort besonders schnell zu Nutzungsabbrüchen führen.
Training wird sichtbar und damit versorgungssteuerbar
Die DIP ermöglicht nicht nur die Anzeige von Vitaldaten, sondern auch von Trainingsdaten. Für Versorgungsteams entsteht dadurch ein zusätzlicher Nutzen: Aktivität wird nicht nur empfohlen, sondern dokumentierbar. Damit können Veränderungen in der Trainingsadhärenz, mögliche Rückgänge der Aktivität oder auch positive Entwicklungen frühzeitig erkannt und in Gespräche, Anpassungen oder motivierende Interventionen übersetzt werden. In einem ambulanten System, das stark von Zeitknappheit geprägt ist, kann diese Transparenz helfen, Prioritäten zu setzen und präventive Maßnahmen fokussierter zu gestalten. Multiplikatoreffekt über Angehörige und professionelle Unterstützung
Bewegung als primäre Präventionslogik
Die Autorengruppe verortet die Intervention ausdrücklich im Präventionsparadigma. Gerade im häuslichen Setting, in dem externe Trainingsangebote häufig nicht erreichbar sind, gewinnen niedrigschwellige, angeleitete Trainingsformen an Bedeutung. Der THERA-Trainer adressiert genau diese Versorgungsbarriere: Er ermöglicht strukturiertes Training in der Wohnung und kann damit – in der Logik der Studie – zur Vorbeugung von Funktionsverlust und Pflegebedürftigkeit beitragen.
Praktikabilität und Benutzerfreundlichkeit als zentrale Akzeptanzdeterminanten
Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für Systeme, die sich ohne große Bedienanforderungen in den Alltag integrieren lassen. Im Vergleich zu komplexen Wearables oder Messgeräten ist ein Bewegungstrainer häufig weniger kognitiv belastend: Training kann als Routine etabliert werden, ohne Menüführung, App-Navigation oder häufige Interaktionsschritte. Dieser Aspekt ist im hochaltrigen Kollektiv bedeutsam, da Usability-Probleme dort besonders schnell zu Nutzungsabbrüchen führen.
Training wird sichtbar und damit versorgungssteuerbar
Die DIP ermöglicht nicht nur die Anzeige von Vitaldaten, sondern auch von Trainingsdaten. Für Versorgungsteams entsteht dadurch ein zusätzlicher Nutzen: Aktivität wird nicht nur empfohlen, sondern dokumentierbar. Damit können Veränderungen in der Trainingsadhärenz, mögliche Rückgänge der Aktivität oder auch positive Entwicklungen frühzeitig erkannt und in Gespräche, Anpassungen oder motivierende Interventionen übersetzt werden. In einem ambulanten System, das stark von Zeitknappheit geprägt ist, kann diese Transparenz helfen, Prioritäten zu setzen und präventive Maßnahmen fokussierter zu gestalten. Multiplikatoreffekt über Angehörige und professionelle Unterstützung
Feedback zum THERA-Trainer tigo
Viele Teilnehmende bewerteten den Bewegungstrainer insgesamt positiv, wie die qualitative Auswertung der Interviews zeigte. Sie kamen mit der Bedienung zurecht und beschrieben das Gerät als nützlich. Teilweise zogen sie sogar in Erwägung, sich privat einen solchen Trainer anzuschaffen. Dies spiegeln Aussagen aus den Interviews wider wie: „Positiv – der Trainer. Da werde ich mich drum kümmern, dass ich einen kriege. Es ist wirklich eine gute Geschichte. Prophylaxe. Hat mich einfach ein bisschen gestärkt.“
Viele Teilnehmende bewerteten den Bewegungstrainer insgesamt positiv, wie die qualitative Auswertung der Interviews zeigte. Sie kamen mit der Bedienung zurecht und beschrieben das Gerät als nützlich. Teilweise zogen sie sogar in Erwägung, sich privat einen solchen Trainer anzuschaffen. Dies spiegeln Aussagen aus den Interviews wider wie: „Positiv – der Trainer. Da werde ich mich drum kümmern, dass ich einen kriege. Es ist wirklich eine gute Geschichte. Prophylaxe. Hat mich einfach ein bisschen gestärkt.“
Multiplikatoreffekt über Angehörige und professionelle Unterstützung
Die Studie beschreibt, dass Akzeptanz und nachhaltige Nutzung stark vom sozialen und professionellen Support abhängen. Für ein Trainingssystem bedeutet das: Der THERA-Trainer entfaltet sein Potenzial besonders dann, wenn Anleitung, Motivation und ggf. Begleitung (durch Pflege, Therapie oder Angehörige) gewährleistet sind.
Die Studie beschreibt, dass Akzeptanz und nachhaltige Nutzung stark vom sozialen und professionellen Support abhängen. Für ein Trainingssystem bedeutet das: Der THERA-Trainer entfaltet sein Potenzial besonders dann, wenn Anleitung, Motivation und ggf. Begleitung (durch Pflege, Therapie oder Angehörige) gewährleistet sind.
Insbesondere die Auswertung des Trainings schien motivierend zu wirken. „Ja, das Radeln ist toll. Und ich sehe, wie weit ich gefahren bin.“ Besonders sinnvoll ist selbstverständlich ein regelmäßiges Bewegungstraining, weshalb es von Vorteil ist, wenn dieses jederzeit direkt zu Hause durchgeführt werden kann: „Aber in der Regel hab ich jeden Tag zweimal die fünf Kilometer oder 15 Minuten. Das tut richtig gut.“
Diskussion: Implementationsbedingungen als eigentlicher Wirkfaktor
Die Studie liefert ein typisches, aber wichtiges Ergebnis der Versorgungsforschung: Der wahrgenommene Nutzen digitaler Systeme hängt weniger von der technologischen Leistungsfähigkeit als von der Implementationsqualität ab. Dazu zählen:
• bedarfsorientierte Auswahl der Systeme gemeinsam mit den Betroffenen,
• Schulung und kontinuierliche Unterstützung,
• Integration in Routinen und Dokumentationsprozesse,
• verlässliche Interoperabilität und geringer Wartungsaufwand.
Diese Faktoren sind nicht „Beiwerk“, sondern Kernelemente der Intervention. Aus Sicht eines bewegungsorientierten Systems wie des THERA-Trainers folgt daraus eine klare Schlussfolgerung: Entscheidend ist nicht nur, dass Training möglich ist, sondern dass es angeleitet, motivierend, sicher und in den Versorgungsprozess eingebettet stattfindet. Der THERA-Trainer kann im vernetzten Setting nicht nur als Trainingsgerät, sondern als Bestandteil eines integrierten Präventionspfads verstanden werden.
Limitationen und Einordnung
Die Autorengruppe weist zurecht auf die eingeschränkte Generalisierbarkeit hin: kleine Stichprobe, nicht repräsentatives Setting, begrenzte Subgruppenanalysen. Hinzu kommt, dass die Studie nicht darauf angelegt ist, klinische Endpunkte wie Sturzhäufigkeit, Mobilitätsmaße oder funktionelle Scores zu evaluieren. Die Evidenz ist daher primär implementativ und akzeptanzbezogen: Sie zeigt, dass vernetzte Systeme unter Alltagsbedingungen genutzt werden können, und welche Bedingungen ihre Akzeptanz und wahrgenommene Nützlichkeit bestimmen. Gerade für die Einführung in Versorgungskontexte ist dies jedoch zentral, weil mangelnde Akzeptanz und Prozessbrüche häufig die Hauptgründe für das Scheitern digitaler Innovationen sind.
• bedarfsorientierte Auswahl der Systeme gemeinsam mit den Betroffenen,
• Schulung und kontinuierliche Unterstützung,
• Integration in Routinen und Dokumentationsprozesse,
• verlässliche Interoperabilität und geringer Wartungsaufwand.
Diese Faktoren sind nicht „Beiwerk“, sondern Kernelemente der Intervention. Aus Sicht eines bewegungsorientierten Systems wie des THERA-Trainers folgt daraus eine klare Schlussfolgerung: Entscheidend ist nicht nur, dass Training möglich ist, sondern dass es angeleitet, motivierend, sicher und in den Versorgungsprozess eingebettet stattfindet. Der THERA-Trainer kann im vernetzten Setting nicht nur als Trainingsgerät, sondern als Bestandteil eines integrierten Präventionspfads verstanden werden.
Limitationen und Einordnung
Die Autorengruppe weist zurecht auf die eingeschränkte Generalisierbarkeit hin: kleine Stichprobe, nicht repräsentatives Setting, begrenzte Subgruppenanalysen. Hinzu kommt, dass die Studie nicht darauf angelegt ist, klinische Endpunkte wie Sturzhäufigkeit, Mobilitätsmaße oder funktionelle Scores zu evaluieren. Die Evidenz ist daher primär implementativ und akzeptanzbezogen: Sie zeigt, dass vernetzte Systeme unter Alltagsbedingungen genutzt werden können, und welche Bedingungen ihre Akzeptanz und wahrgenommene Nützlichkeit bestimmen. Gerade für die Einführung in Versorgungskontexte ist dies jedoch zentral, weil mangelnde Akzeptanz und Prozessbrüche häufig die Hauptgründe für das Scheitern digitaler Innovationen sind.
Schlussfolgerung: Vernetzung ist Mittel – Bewegung ist Ziel
CARE REGIO zeigt überzeugend, dass digitale Assistenzsysteme in der ambulanten Versorgung nicht an der grundsätzlichen Bereitschaft der Beteiligten scheitern, sondern an praktischen Fragen: Bedienbarkeit, Support, Prozessintegration. Gleichzeitig wird deutlich, dass Sturzprävention mehr erfordert als Vitaldatenmonitoring. Präventiver Mehrwert entsteht dort, wo Systeme nicht nur beobachten, sondern Handlung ermöglichen. In diesem Rahmen erhält der THERA-Trainer eine spezifische, fachlich plausibel begründbare Rolle: Er steht für den Übergang von Daten zu Intervention und damit für den Kern dessen, was Sturzprävention im Alltag leisten muss – Mobilität erhalten, Aktivität ermöglichen, funktionellen Abbau verzögern. In einem vernetzten Setting wird Training zudem sichtbar und damit anschlussfähig an pflegerische und therapeutische Entscheidungsprozesse. Unter den in der Studie herausgearbeiteten Implementationsbedingungen kann der THERA-Trainer somit als zentraler Baustein eines realweltlich integrierbaren Präventionssystems verstanden werden.
Feedback zum THERA-Trainer tigo
Die qualitative Auswertung zeigt zudem, dass mehrere Probanden berichteten, dass die Nutzung des Trainers positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden hatte. Genannt wurden bessere Beweglichkeit, ein Gefühl von Sicherheit, gesteigerte Aktivität, sowie besserer Schlaf. Dies verdeutlichten unter anderem Aussagen wie: „Da habe ich mich viel sicherer gefühlt, gerade mit dem Laufen. Da bin ich mehr gelaufen (…) und dann bin ich da geradelt und dann ging es mir viel besser und dann habe ich auch viel besser geschlafen.“
Die qualitative Auswertung zeigt zudem, dass mehrere Probanden berichteten, dass die Nutzung des Trainers positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden hatte. Genannt wurden bessere Beweglichkeit, ein Gefühl von Sicherheit, gesteigerte Aktivität, sowie besserer Schlaf. Dies verdeutlichten unter anderem Aussagen wie: „Da habe ich mich viel sicherer gefühlt, gerade mit dem Laufen. Da bin ich mehr gelaufen (…) und dann bin ich da geradelt und dann ging es mir viel besser und dann habe ich auch viel besser geschlafen.“
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Jakob Tiebel, Ergotherapeut, Studium in angewandter Psychologie mit Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft. Klinische Expertise durch frühere therapeutische Tätigkeit in der Neurorehabilitation. Forscht und publiziert zum Theorie-Praxis-Transfer in der Neurorehabilitation und ist Inhaber von einer Agentur für digitales Gesundheitsmarketing.
References:
- Gaßner, M., Hechtl, A., Nigg, U., Schmid, S., Yagci, S., & Friedrich, P. (2025). Digital assistants for outpatient care: benefits of intelligent connected assistive systems for caregivers and elderly people. Procedia Computer Science, 270, 4686–4695. https://doi.org/10.1016/j.procs.2025.09.594
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