Warum Bewegung für Patienten mit chronischer Nierenerkrankung unverzichtbar ist
Hintergrund
Chronische Nierenerkrankung (CKD) betrifft weltweit etwa 10% der Bevölkerung. Die Einteilung erfolgt nach der sogenannten glomerulären Filtrationsrate (GFR), die angibt, wie gut die Nieren das Blut filtern:
Stadium G3: mäßige Einschränkung (GFR 30–59 ml/min)
Stadium G4: schwere Einschränkung (GFR 15–29 ml/min)
Stadium G5: Nierenversagen (GFR unter 15 ml/min)
G5D: dialysepflichtiges Nierenversagen
Etwa die Hälfte der Patienten mit CKD im Stadium G4-G5 leidet an einer CVD. Sie haben eine doppelt so hohe Prävalenz für kardiovaskuläre Erkrankungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (65% vs. 32%). Herzinsuffizienz tritt bei CKD-Patienten über 66 Jahren deutlich häufiger auf (26% vs. 6%), bei Dialysepatienten liegt die Prävalenz sogar bei 44%. Zudem ist das Risiko für plötzlichen Herztod bei Dialysepatienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung stark erhöht (59 vs. 1 Todesfälle pro
1000 Patientenjahre).
Auch weitere Studien wie RENEXC und AWARD zeigten positive Effekte auf die Fitness von Patienten mit CKD G3-G5. Die Cycle-HD-Studie berichtete über Verbesserungen kardialer Parameter nach sechs Monaten intradialytischen Fahrradtrainings.
CKD und Herzinsuffizienz sind als kardiorenales Syndrom pathophysiologisch eng miteinander verbunden. Beiden Erkrankungen liegen gemeinsame Mechanismen zugrunde: systemische Ent-zündung, endotheliale Dysfunktion und oxidativer Stress.
Die Dialyse selbst stellt ein Risiko für den plötzlichen Herztod dar. Mögliche Mechanismen sind eine unzureichende Dialysedosis, Herzrhythmusstörungen infolge von Volumenüber- oder -entzug sowie Elektrolytverschiebungen während und nach der Dialyse.
Die Evidenz unterstreicht: Gezielte Bewegungs-therapie bietet CKD-Patienten zahlreiche Vorteile und kann sicher durchgeführt werden. Das Training sollte individuell angepasst werden. Die Einführung strukturierter Bewegungsprogramme könnte entscheidend zur Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Mortalität in dieser Hochrisikogruppe beitragen und sollte daher als integraler Bestandteil der CKD-Behandlung gefördert werden.
- Kouidi E, Hanssen H, Anding-Rost K, Cupisti A, Deligiannis A, Grupp C, Koufaki P, Leeson P, Segura-Orti E, Van Craenenbroeck A, Van Craenenbroeck E, Clyne N, Halle M. The role of exercise training on cardiovascular risk factors and heart disease in patients with chronic kidney disease G3-G5 and G5D: a Clinical Consensus Statement of the European Association of Preventive Cardiology of the ESC and the European Association of Rehabilitation in Chronic Kidney Disease. Eur J Prev Cardiol. 2024 Sep 6;31(12):1493-1515. doi: 10.1093/eurjpc/zwae130. PMID: 38593202. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38593202/
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