TECHNOLOGIE & ENTWICKLUNG
Epidurale Rückenmarkstimulation und robotikgestützte Mobilisation bei kompletter Querschnittlähmung
Wie ein multimodales Rehabilitationskonzept mit spinaler Stimulation und intensivem Training selbst bei chronischer kompletter Querschnittlähmung funktionelle Mobilität wieder ermöglicht
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Menschen mit einer kompletten Querschnittlähmung gelten in der Rehabilitation seit Jahrzehnten als eine Patientengruppe mit sehr begrenzten funktionellen Wiederherstellungschancen. Insbesondere bei sensorimotorisch vollständigen Läsionen wird die Wiedererlangung von Steh- oder Gehfähigkeit oft als kaum realistisch eingeschätzt. Umso bemerkenswerter sind aktuelle Ergebnisse aus einer klinischen Proof-of-Concept-Studie, die zeigt: Unter bestimmten Bedingungen kann funktionelle Mobilität auch Jahre nach einer Rückenmarksverletzung wieder erlernt werden. Im Zentrum der Studie steht ein intensives, multimodales Rehabilitationsprogramm, das epidurale Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) mit gezielter Bewegungstherapie, mentalem Training, robotikgestütztem Gangtraining und strukturierter Rumpfrehabilitation kombiniert. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der THERA-Trainer, der sowohl in der Vorbereitungsphase als auch während der postoperativen Rehabilitation gezielt eingesetzt wurde.
Ein neuer Ansatz für eine alte Herausforderung
Nur etwa fünf bis acht Prozent der Menschen mit einer sensorimotorisch kompletten Querschnittlähmung entwickeln im Verlauf wieder eine gewisse Gehfähigkeit. Klassische Rehabilitationsansätze stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Die nun vorgestellte Studie verfolgt daher einen anderen Weg: Sie setzt auf das Zusammenspiel mehrerer therapeutischer Hebel, um vorhandene, aber funktionell „stille“ neuronale Verbindungen unterhalb der Läsion wieder nutzbar zu machen.
Drei Personen mit chronischer kompletter thorakaler Querschnittlähmung nahmen an dem Programm teil. Alle waren seit mehreren Jahren vollständig auf den Rollstuhl angewiesen. Nach einer vorbereitenden Trainingsphase (Prehabilitation) wurde bei ihnen ein epiduraler Rückenmarkstimulator implantiert. Es folgte eine siebenmonatige, hochintensive Rehabilitationsphase mit täglichem Training.
Drei Personen mit chronischer kompletter thorakaler Querschnittlähmung nahmen an dem Programm teil. Alle waren seit mehreren Jahren vollständig auf den Rollstuhl angewiesen. Nach einer vorbereitenden Trainingsphase (Prehabilitation) wurde bei ihnen ein epiduraler Rückenmarkstimulator implantiert. Es folgte eine siebenmonatige, hochintensive Rehabilitationsphase mit täglichem Training.
Prehabilitation: Vorbereitung auf das Wieder-Aufrichten
Bereits vor der Implantation der Rückenmarkstimulation spielte der THERA-Trainer balo eine zentrale Rolle. Ziel dieser Phase war es, die Teilnehmer körperlich und mental auf das spätere intensive Geh- und Stehtraining vorzubereiten.
Mit dem Stehtrainer wurden gezielt folgende Aspekte trainiert:
• Vertikalisierung und Gewichtsbelastung, um den Kreislauf an die aufrechte Position zu gewöhnen
• Aktive Rumpfkontrolle, die für spätere Transfers und das Gehen unverzichtbar ist
• Dynamische Gewichtsverlagerungen, unterstützt durch interaktive Trainingsprogramme
Gerade für Menschen, die jahrelang nicht gestanden haben, ist diese Phase entscheidend. Der THERA-Trainer ermöglichte dabei ein sicheres, kontrolliertes Stehen mit gleichzeitig hoher therapeutischer Aktivierung – ohne Überforderung und mit klarer Struktur.
Mit dem Stehtrainer wurden gezielt folgende Aspekte trainiert:
• Vertikalisierung und Gewichtsbelastung, um den Kreislauf an die aufrechte Position zu gewöhnen
• Aktive Rumpfkontrolle, die für spätere Transfers und das Gehen unverzichtbar ist
• Dynamische Gewichtsverlagerungen, unterstützt durch interaktive Trainingsprogramme
Gerade für Menschen, die jahrelang nicht gestanden haben, ist diese Phase entscheidend. Der THERA-Trainer ermöglichte dabei ein sicheres, kontrolliertes Stehen mit gleichzeitig hoher therapeutischer Aktivierung – ohne Überforderung und mit klarer Struktur.
Nach der Implantation: Bewegung wird wieder möglich
Nach der Implantation des Rückenmarkstimulators begann die eigentliche Kernphase des Programms. Die elektrische Stimulation machte es den Teilnehmenden erstmals wieder möglich, einzelne Muskelgruppen der Beine willentlich anzusteuern – allerdings nur in Kombination mit aktivem Training.
Hier zeigte sich der große Vorteil eines strukturierten Geräteeinsatzes: Die THERA-Trainer-basierte Therapie wurde nicht isoliert eingesetzt, sondern gezielt mit weiteren Elementen kombiniert:
• Rumpfrehabilitation, um die Grundlage für Gleichgewicht und Standstabilität zu schaffen
• Aufgabenspezifisches Training, etwa Sit-to-Stand-Übungen
• Robotikgestütztes Gangtraining und später freies Gehen mit Hilfsmitteln
Der THERA-Trainer fungierte dabei als Bindeglied zwischen Stabilisierung und Mobilisierung. Insbesondere das wiederholte, sichere Stehen und kontrollierte Belasten erwies sich als entscheidender Zwischenschritt auf dem Weg zum Gehen.
Hier zeigte sich der große Vorteil eines strukturierten Geräteeinsatzes: Die THERA-Trainer-basierte Therapie wurde nicht isoliert eingesetzt, sondern gezielt mit weiteren Elementen kombiniert:
• Rumpfrehabilitation, um die Grundlage für Gleichgewicht und Standstabilität zu schaffen
• Aufgabenspezifisches Training, etwa Sit-to-Stand-Übungen
• Robotikgestütztes Gangtraining und später freies Gehen mit Hilfsmitteln
Der THERA-Trainer fungierte dabei als Bindeglied zwischen Stabilisierung und Mobilisierung. Insbesondere das wiederholte, sichere Stehen und kontrollierte Belasten erwies sich als entscheidender Zwischenschritt auf dem Weg zum Gehen.
Intraoperative Röntgenaufnahme der endgültigen Platzierung der Implantate für die Rückenmarkstimulation (SCS) bei den 3 Teilnehmern.
Messbare Fortschritte – mit hoher klinischer Relevanz
Die Ergebnisse nach sieben Monaten intensiver Rehabilitation: Alle drei Teilnehmenden verbesserten sich deutlich in ihrer funktionellen Mobilität. Sie konnten selbstständig vom Sitzen in den Stand wechseln und unter Aufsicht mit einem Rollator gehen – Fähigkeiten, die vor Studienbeginn nicht vorhanden waren.
Besonders relevant für die Praxis sind dabei die Verbesserungen in:
• Rumpfstabilität, ein zentraler Prädiktor für funktionelles Gehen
• Sit-to-Stand-Leistung, eine Schlüsselbewegung im Alltag
• Gehfähigkeit, gemessen mit etablierten klinischen Skalen
Diese Fortschritte entstanden nicht durch Technik allein, sondern durch konsequente, hochdosierte Bewegungstherapie – ermöglicht und strukturiert durch den gezielten Einsatz von Trainingsgeräten wie dem THERA-Trainer balo.
Besonders relevant für die Praxis sind dabei die Verbesserungen in:
• Rumpfstabilität, ein zentraler Prädiktor für funktionelles Gehen
• Sit-to-Stand-Leistung, eine Schlüsselbewegung im Alltag
• Gehfähigkeit, gemessen mit etablierten klinischen Skalen
Diese Fortschritte entstanden nicht durch Technik allein, sondern durch konsequente, hochdosierte Bewegungstherapie – ermöglicht und strukturiert durch den gezielten Einsatz von Trainingsgeräten wie dem THERA-Trainer balo.
Strukturiertes Steh- und Rumpftraining mit dem THERA-Trainer bildete die notwendige Grundlage für das spätere Sit-to-Stand- und Gehtraining.
Implikationen
Die Studie macht deutlich: In komplexen neurorehabilitativen Programmen ist Technik dann besonders wirksam, wenn sie funktionell eingebettet ist. Der THERA-Trainer erfüllte mehrere zentrale Aufgaben:
• Er ermöglichte frühe, sichere Vertikalisierung
• Er schuf die Grundlage für aktive Rumpf- und Gleichgewichtskontrolle
• Er bereitete gezielt auf dynamische Gangbelastungen vor
Damit war er nicht nur ein „Hilfsmittel“, sondern ein integraler Bestandteil eines lernorientierten Rehabilitationspfads. Für die Therapie bietet dieser Ansatz eine wichtige Botschaft: Selbst bei schwersten neurologischen Einschränkungen kann funktionelles Training sinnvoll sein – wenn es strukturiert, progressiv und patientenzentriert umgesetzt wird.
• Er ermöglichte frühe, sichere Vertikalisierung
• Er schuf die Grundlage für aktive Rumpf- und Gleichgewichtskontrolle
• Er bereitete gezielt auf dynamische Gangbelastungen vor
Damit war er nicht nur ein „Hilfsmittel“, sondern ein integraler Bestandteil eines lernorientierten Rehabilitationspfads. Für die Therapie bietet dieser Ansatz eine wichtige Botschaft: Selbst bei schwersten neurologischen Einschränkungen kann funktionelles Training sinnvoll sein – wenn es strukturiert, progressiv und patientenzentriert umgesetzt wird.
In komplexen neurorehabilitativen Programmen ist Technik dann besonders wirksam, wenn sie funktionell eingebettet ist.
Limitationen und Ausblick
Die Autoren der Studie betonen zu Recht die Limitationen: Drei Teilnehmende, kein Kontrollarm, hoher Ressourcenaufwand. Dennoch liefert die Arbeit einen wertvollen Beleg dafür, dass selbst bei kompletter Querschnittlähmung funktionelle Fortschritte möglich sind – vorausgesetzt, Rehabilitation wird als aktiver, langfristiger Lernprozess verstanden.
Für die Praxis bedeutet das: Geräte wie der THERA-Trainer können ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie nicht isoliert, sondern als Teil eines ganzheitlichen Konzepts eingesetzt werden.
Für die Praxis bedeutet das: Geräte wie der THERA-Trainer können ihre volle Wirkung entfalten, wenn sie nicht isoliert, sondern als Teil eines ganzheitlichen Konzepts eingesetzt werden.
Jakob Tiebel
Unternehmensberater Gesundheitswesen
Jakob Tiebel, Ergotherapeut, Studium in angewandter Psychologie mit Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft. Klinische Expertise durch frühere therapeutische Tätigkeit in der Neurorehabilitation. Forscht und publiziert zum Theorie-Praxis-Transfer in der Neurorehabilitation und ist Inhaber von einer Agentur für digitales Gesundheitsmarketing.
References:
- Wee SK, Valerie ZYN, Phua MW, et al. Synergistic integration of epidural spinal cord stimulation with robotic therapy and neurorehabilitation to facilitate functional recovery in chronic sensorimotor complete spinal cord injury: A case series. Advances in Rehabilitation Science and Practice. 2025;14. doi:10.1177/27536351251343738
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