Erfahren Sie, wie elektromechanische Gangtrainer wie der THERA-Trainer lyra das Gehen von Schlaganfallpatienten fördern und welche Vorteile diese Therapieform für die Rehabilitation bietet.
Die Chancen für die Wiederherstellung der Gehfähigkeit sind innerhalb der ersten sechs Monate nach dem akuten Ereignis am größten. Die Wahl der richtigen Maßnahme zur Gangrehabilitation ist dabei von größter Bedeutung.
Im Rahmen der Rehabilitation wird das wiederholte Üben des Gehens unter dem Sammelbegriff der Lokomotionstherapie zusammengefasst [10]. Lokomotion heißt Fortbewegung und bezeichnet die „aktive Bewegung eines Individuums von Ort zu Ort, angetrieben durch rhythmische Bewegung der Gliedmaßen“ [10]. Sobald Patienten ausreichend belastbar sind, sollten bereits die ersten Gehversuche unternommen werden. Entscheidend ist, dass das Gehen in der Funktion geübt wird. Favorisiert werden sollte ein aufgabenspezifisches repetitives Training. Die manuelle Laufbandtherapie mit Gewichtsentlastung war ein erster Schritt in diese Richtung [11]. Durch die Entwicklung moderner Gangrobotik-Systeme hat sich das Spektrum an Möglichkeiten kontinuierlich erweitert, sodass sich die Lokomotionstherapie über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg zu einem integralen Bestandteil der neurologischen Rehabilitation entwickelt hat und eine Domäne der Physiotherapie geworden ist [10].
Neben Laufbandsystemen mit und ohne Gurtsicherung und partieller Gewichtsentlastung lassen sich im Wesentlichen zwei stationäre elektromechanische Gerätetypen unterscheiden: die Exoskeleton-Gangsysteme und die Endeffektor-Gangsysteme. Während Exoskelette so konstruiert sind, dass die Hüft- und Kniegelenke während des Gangzyklus über mit Elektromotoren ausgestattete Beinorthesen bewegt werden, sind Endeffektor-Systeme dadurch gekennzeichnet, dass keine proximale Führung an Hüften und Knien erfolgt, sondern lediglich eine Führung an den endständigen Gliedern. Die Füße des Patienten werden auf mobilen Fußplatten gesichert. Deren Bewegungsbahn entspricht dem menschlichen Gangzyklus, der während des Trainings repetitiv simuliert wird. In der Regel sind die Systeme mit einem gewichtsentlastenden Gurtsystem ausgestattet, was die Möglichkeit eröffnet, auch nicht gehfähige Patienten in die Lokomotionstherapie einzuschließen [11].
Klinische Studien belegen, dass das Laufbandtraining mit partieller Gewichtsentlastung die Gehfähigkeit von Schlaganfallpatienten verbessert [12]. Trotz allgemein positiver Effekte, die der Lokomotionstherapie mit robotergestützten Systemen zugesprochen wird, ist eine signifikante Überlegenheit gegenüber manueller Laufbandtherapie nicht eindeutig nachgewiesen [13]. Bei einem Training schwerer betroffener Patienten auf einem Laufband bedarf es aber häufig bis zu zwei Therapeuten, die unter meist hohem körperlichem Einsatz die Füße des Patienten setzen, um wiederholte Gangzyklen zu reproduzieren [14]. Besonders im Akut- und Subakutstadium der Rehabilitation ergeben sich somit eindeutige Vorteile durch den Einsatz eines elektromechanischen Gangtrainers. Der Patient kann aufgrund einer deutlich geringeren Belastung für die Therapeuten eine höhere Anzahl Wiederholungen an Gangzyklen in einer Einheit üben, was für die Wiederherstellung der Gehfähigkeit entscheidend ist [15].
In einer Vielzahl von klinischen Studien wurde in den letzten zehn Jahren der therapeutische Effekt der automatisierten Gangtherapie bei Schlaganfallpatienten untersucht. Es hat sich gezeigt, dass eine Kombination aus elektromechanischem Gangtraining und Physiotherapie einer rein konventionellen Therapie signifikant überlegen ist [16,17,18]. Anhand der großangelegten multizentrischen deutschen Gangtrainerstudie (DEGAS-Studie) konnte bereits 2007 gezeigt werden, dass die Kombination aus einem 20-minütigen Gangtraining auf einem Endeffektor-Gerät kombiniert mit 25 Minuten konventioneller Physiotherapie im Vergleich zu 45 Minuten konventioneller Physiotherapie über 20 Behandlungseinheiten hinweg die Chance, wieder unabhängig gehen zu können, um den Faktor 2,5 erhöht [20]. Die elektromechanische Gangtherapie ist für das repetitive Üben eines physiologischen Gangmusters hoch wirksam und ermöglicht zudem ein kontrolliertes Herz-Kreislauf-Training sowie eine funktionelle Kräftigung der für das Gehen relevanten Muskelgruppen [11]. Insbesondere die nicht gehfähigen Schlaganfallpatienten im subakuten Stadium (< 3 Monate nach einem Insult) profitieren von dieser Interventionsform [19].
Es ist davon auszugehen, dass jede siebte Gehunfähigkeit durch ein intensives Gangtraining verhindert werden kann. Die Chancen für die Therapie hängen zudem vom Typ des eingesetzten Therapiegerätes ab. Die Gruppe der Endeffektor- Systeme schneidet im Vergleich zu den Exoskeletten signifikant besser ab [19]. Die im Dezember 2015 veröffentlichte S2e-Leitlinie „Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (Re-MoS) der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) stuften den Einsatz von Endeffektor-Systemen bei nicht gehfähigen Schlaganfallpatienten als „Sollte“-Empfehlung ein [21].
Es ist davon auszugehen, dass jede siebte Gehunfähigkeit durch ein intensives Gangtraining verhindert werden kann. Die Chancen für die Therapie hängen zudem vom Typ des eingesetzten Therapiegerätes ab. Die Gruppe der Endeffektor- Systeme schneidet im Vergleich zu den Exoskeletten signifikant besser ab [19]. Die im Dezember 2015 veröffentlichte S2e-Leitlinie „Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (Re-MoS) der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation (DGNR) stuften den Einsatz von Endeffektor-Systemen bei nicht gehfähigen Schlaganfallpatienten als „Sollte“-Empfehlung ein [21].
Neben dem Schlaganfall gibt es weitere neurologische Erkrankungen: Rückenmarksverletzungen, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Schädel-Hirn-Trauma usw. Auch diese Erkrankungen führen häufig zu Beeinträchtigungen im Bereich der Gehfähigkeit. Auch bei diesen Krankheitsbildern konnte anhand diverser Studien das Potential für den Einsatz automatisierter Gangtherapie aufgezeigt werden [22,23,24].
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