Erfolgreiches Gleichgewichtstraining erfordert gezielte Aufgaben und eine optimierte Umgebung. Lesen Sie, wie SB-Geräte effektive und sichere Therapien ermöglichen.
Eine der wichtigsten Möglichkeiten der gezielten Anpassung der Aufgabe besteht in der Wahl der Größe der Unterstützungsfläche (USFL), denn die Fußposition ist wahrscheinlich die klassischste Art ein sogenanntes Shaping zu gestalten. Mit Shaping ist hier die systematische Steigerung des Schwierigkeitsgrades gemeint [15]. Im Sinne der Challenge-Point-Theorie geht es darum, dass der Übende immer an seinem individuellen Leistungslimit gefordert wird [4]. Der Steigerungsverlauf lautet: Parallelstand, Schrittstand, Tandemstand, Einbeinstand [8]. Es könnte noch der Kreuzstand dazu genommen werden. Diese Standposition ist jedoch nicht sehr funktionell.
Eine weitere wichtige Komponente zur Anpassung der Aufgabe besteht darin, festzulegen, in welche Richtungen der Körperschwerpunkt über der Unterstützungsfläche bewegt werden soll. Die Hauptbewegungsrichtungen sind anterior-posterior (a-p), medio-lateral (m-l) und die sogenannten 2D-Bewegungen, die aus einer Kombination von a-p- und m-l-Gewichtsverlagerungen resultieren. Die anterioren Gewichtsverlagerungen sind ein sinnvolles Mittel, um die sog. Sprunggelenksstrategie zu üben, welche hauptsächlich die distalen Muskeln aktiviert [11, 13], während m-l-Gewichtsverlagerungen eher die laterale Bewegungskontrolle trainieren. Hierbei sind v. a. die proximalen Muskeln gefordert. Bei schwerbetroffenen Patienten kann es auch sinnvoll sein, statisch zu trainieren, d. h. der Körperschwerpunkt soll lediglich ohne sichtbare Bewegungen über der USFL gehalten werden. Dabei geht es also darum, nicht umzufallen.
Viele neurologische und auch geriatrische Patienten haben Schwierigkeiten mit der sogenannten sensorischen Gewichtung. Sensorische Gewichtung ist der dynamische Prozess der Integration und Verarbeitung sensorischer Informationen [12]. Die sensorischen Informationen, die das ZNS zur Gleichgewichtskontrolle nutzt, sind der somatosensorische, der visuelle und der vestibuläre Input. Beispielweise muss bei ungünstigen Lichtverhältnissen die sensorische Integration zugunsten der Somatosensorik und weg vom visuellen Input gewichtet werden. Häufig gewöhnen sich Menschen mit Gleichgewichtsproblemen einen übermäßigen Gebrauch des Visus an [7]. Daraus resultierend kommt es zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Blickfixation. Um die sensorische Gewichtung zu trainieren, kann die Aufgabe entsprechend angepasst werden
Die gezielte Anpassung der Umwelt bietet weitere interessante Therapieoptionen. V. a. der Therapiekeil ist sehr geeignet, bestimmte Aspekte der posturalen Kontrolle spezifisch zu trainieren [8]. Grundsätzlich gibt es drei Varianten der Keilposition: toes-up (Zehen hoch), toes-down (Zehen abwärts) und beides in Kombination mit der diagonalen Keilposition, welche dann einen pronatorischen Kippeffekt hat. Die unterschiedlichen Keilpositionen haben unterschiedliche Indikationen [8]. Die toes-up-Stellung bewirkt eine Mobilisation der Wadenmuskulatur, die toes-down-Stellung bewirkt eine verstärkte Aktivierung der Wadenmuskulatur, was zur Verbesserung der Sprunggelenksstrategie beitragen kann. Die diagonale Keilposition bewirkt eine Pronationsstellung im unteren Sprunggelenk (USG), welche der typischen Supinationsfehlstellung der Füße bei neurologischen Patienten entgegenwirken soll. Die diagonale Position kann sowohl mit toes-down als auch mit toes-up kombiniert werden. Weitere Optionen ergeben sich dann aus dem zusätzlichen Einbezug der verschiedenen Fußpositionen in die Arbeit mit dem Therapiekeil.
Eine Erweiterung der Therapieoptionen bietet der Einsatz des Exergamings. Durch verschiedene Spielsituationen können ganz gezielt bestimmte Aspekte der posturalen Kontrolle trainiert werden. Die Spiele können die Motivation am Training günstig beeinflussen und sind außerdem gut für ein Eigentraining geeignet, da eine permanente Betreuung durch einen Therapeuten nicht nötig ist. Das Exergaming kann problemlos mit allen oben genannten Aspekten der Aufgaben- und Umweltgestaltung kombiniert werden.
Abschließend eine kurze (und unvollständige) Auflistung „typischer“ Gleichgewichtsprobleme neurologischer und geriatrischer Patienten [1, 2, 3, 14]:
-eingeschränkte OSG-Strategie bei der Gewichtsverlagerung v. a. nach anterior aber auch nach posterior
-medio-laterale Instabilität bzw. eingeschränkte Gewichtsverlagerung, v. a. auf die mehr-betroffene Seite
-eingeschränkte sensorische Gewichtung
In einem vorgängigen Clinical Reasoning werden die Problembereiche des Patienten identifiziert. Anschließend wird diesbezüglich eine maßgeschneiderte Therapie erstellt.
Letztlich sind die Aufgaben- und Umweltspezifität entscheidende Kriterien für die Wirksamkeit der Therapie. Mit Fantasie und Sachverstand lassen sich in SB-Geräten sehr sinnvolle und individuelle Therapiesituationen kreieren.
Die Therapie in SB-Geräten kann individuell und zielgerichtet gestaltet werden. Sehr viele Therapiemöglichkeiten in einer sturzsicheren Umgebung sind gegeben. Neben der Aufgaben- und Umweltspezifität kann auch der Wirkfaktor Intensität umgesetzt werden.
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