Die Medical Device Regulation (MDR) erhöht die Sicherheit von Medizinprodukten, verlängert jedoch Zulassungszeiten und erhöht Kosten. Strategien für KMU und Hersteller.
Die Kehrseite des medizintechnischen Fortschritts sind überzogene Heilversprechen und zum Teil falsche Aussagen über die Sicherheit und Leistungsfähigkeit von Medizinprodukten. Insbesondere der Skandal um einen französischen Brustimplantat-Hersteller im Jahr 2010 hat dafür gesorgt, dass das Vertrauen in die Medizintechnik geschwunden ist. Illegal brachte das Unternehmen damals Brustimplantate auf den Markt, die weltweit rund 500.000 Frauen eingesetzt worden waren und schwere Gesundheitsprobleme verursachten. Kein Wunder: Statt mit hochwertigem medizinischem Silikon befüllte das Unternehmen seine Implantate aus Profitgier mit handelsüblichem Industriesilikon aus dem Baumarkt [8, 10, 13, 18].
Bis zum 26. Mai 2021 gilt noch das bisherige Recht basierend auf den Richtlinien 90/385/EWG2 und 93/42/EWG3. Dann endet die Übergangsfrist, innerhalb derer die Zertifizierung von Medizinprodukten für die Hersteller noch nach altem Recht möglich war [9].
Welche Auswirkungen haben die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen auf die Entwicklung neuer Medizintechnik? In Zeiten des demografischen Wandels, fortschreitender Digitalisierung und immer besser informierter Kunden sind die Erwartungen an die Produktentwicklung und Vermarktung hoch [19]. Gefragt sind vor allem „schnelle“ Entwicklungen, um auf gegenwärtige Herausforderungen in der Medizin reagieren zu können und konkurrenzfähig zu bleiben. Rund ein Drittel der am Markt erhältlichen Medizinprodukte sind nicht älter als drei Jahre [4]. Noch ist nicht vollständig abzusehen, wie sich die Umsetzung der MDR auf den medizintechnischen Markt im Ganzen auswirken wird. Unbestritten ist jedoch der Einfluss von steigenden Kosten und höherem Zeitaufwand durch die Zertifizierung. Die mit der Verordnung verbundenen Qualitätsziele des Gesetzgebers und die Forderung nach einer schnellen Entwicklung innovativer Produkte werden nur schwer miteinander in Einklang zu bringen sein. Die aufwendigeren Prüf- und Zulassungsverfahren werden die Agilität und das Innovationsvermögen der Unternehmen hemmen [4, 9].
Durch die strengeren und aufwendigeren Prüfverfahren müssen die Hersteller künftig also deutlich mehr Zeit für die Zertifizierung ihrer Produkte einplanen. Hinzu kommt, dass für die Umsetzung der neuen Auflagen mehr Personal in der Qualitätssicherung benötigt wird. Zwangsläufig werden weniger Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen. Die Zeitspanne, bis Patienten von neuen Technologien profitieren, wird sich durch die neuen Regelungen verlängern. Fraglich ist auch, wie die zusätzlichen Kosten finanziert werden. Denn den Mehraufwand, den die Unternehmen durch die Zertifizierung haben, werden sie irgendwie wieder erwirtschaften müssen. Unterm Strich werden Patienten zukünftig also von einer höheren Sicherheit der Medizinprodukte profitieren, müssen auf diese aber deutlich länger warten und dafür vermutlich auch tiefer in die Tasche greifen als bisher [20].
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- Bundesanzeiger (2018). Bekanntmachung: Richtlinie zur Förderung von Zuwendungen für „KMU-innovativ: Medizintechnik“; Bundesanzeiger vom 19.09.2018. Online zugegriffen am 27.12.2019: https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung- 2010.html.
- BVMed (2019). Branchenbericht Medizintechnologien 2019. Online zugegriffen am 27.12.2019: https://www.bvmed.de/download/bvmed-branchenbericht-medtech.pdf.
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- von Merzljak S (2017). MDR: Mehr Patientensicherheit gleich weniger innovative Entwicklungen? Merzljak Healthcare Marketing 2017. Online zugegriffen am 27.12.2019: https://www.merzljak.de/healthcare-marketing-blog/eu-medizinprodukteverordnung-mdr-chancen-risiken.
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