Geriatrische Krankenhaus-Rehabilitation wird zunehmend hinterfragt: Studien zeigen höhere Pflegebedürftigkeit und finanzielle Anreize, die individuelle Patientenbedürfnisse oft in den Hintergrund drängen.
Die Altersmedizin widmet sich als recht neue Disziplin speziell den hochbetagten Patienten, deren Gesundheit und Selbstständigkeit häufig nicht nur durch eine, sondern gleich durch mehrere akute und chronische Erkrankungen eingeschränkt ist.
Die Arbeit am Patienten erfolgt in multiprofessionellen Teams, zu denen Fachärzte für Neurologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Mitarbeitende der Krankenpflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sozial- und Pflegeberatung, Ernährungsberatung, Psychologie und Seelsorge gehören. Gemeinsam wird das Ziel verfolgt, alltagsrelevante Funktionsstörungen unter Berücksichtigung der körperlichen, seelischen, sozialen und geistigen Ebene zu erkennen und gezielt zu behandeln. Doch leider richtet sich die Versorgung in der Realität nicht immer nach den individuellen Bedürfnissen der Patienten. Den Krankenhäusern scheint es heute vor allem um eins zu gehen – nämlich ums Geld.
Zahlreiche Kliniken haben in den vergangenen Jahren aufgrund eines drastisch gestiegenen Wettbewerbs- und Preisdrucks bereits ihre Pforten schließen müssen. Fast jedes zweite Krankenhaus ist in seinem betriebswirtschaftlichen Ergebnis defizitär.
Die anfallenden Gesamtkosten sind oftmals höher als die Erlöse, die aus Fallpauschalen erzielt werden können. Kurzfristige Erlössteigerungen werden über Mengenausweitungen und die Verhandlung von Zusatzentgelten geschaffen. Kostenreduktionen werden vor allem durch eine Verringerung des Personal- und Technologieeinsatzes sowie durch Verkürzung der Verweildauern erreicht.
ökonomischen Handelns, erfolgreich miteinander zu verbinden. Doch leider sind diese strategischen Ansätze in der Realität kaum anzutreffen. Das Klinikmanagement tritt noch viel zu häufig als „Feuerwehr“ in Erscheinung, anstatt in langfristig wirksame „Brandschutzmaßnahmen“ zu investieren.
Beispielhaft darstellen lässt sich diese Situation am Versorgungsprocedere einer der häufigsten Verletzungen hochaltriger Menschen: dem Oberschenkelhalsbruch. Ursache ist in den meisten Fällen ein Sturz seitlich auf die Hüfte oder auf das gestreckte oder abgespreizte Bein. Der Hüftbruch verursacht den Betroffenen starke Schmerzen und das Bein kann in Folge nicht mehr aktiv bewegt werden. Die Therapie der Wahl ist eine Operation. Dramatische Folge ist dennoch in vielen Fällen die dauerhafte Pflegebedürftigkeit.
Durch die richtige Therapie nach der Operation kann das verhindert werden. Entscheidend ist, dass die Patienten möglichst schnell und gezielt wieder fit für den Alltag gemacht werden. Das geschieht im Normalfall im Rahmen einer sich anschließenden Rehabilitationsmaßnahme. Da geriatrische Patienten aufgrund ihrer Vorerkrankungen aber oft nicht stabil genug sind, um in eine Anschlussrehabilitation übergeleitet zu werden, erfolgt die Weiterbehandlung im Krankenhaus, im Rahmen einer speziell zu diesem Zweck geschaffenen geriatrischen frührehabilitativen Komplexbehandlung (GFKB). Durch die GFKB soll der instabile Übergang geriatrischer Patienten aus der Akutbehandlung in die Rehabilitation kompensiert werden.
Doch eine aktuelle Studie zeigt Schwächen der GFKB auf. Während nach der Krankenhaus-Rehabilitation rund 47 Prozent der Patienten nach einem Oberschenkelhalsbruch pflegebedürftig werden, sind es bei einer traditionellen Rehabilitation mit nur 40 Prozent deutlich weniger.
Die Möglichkeiten der GFKB dürfen jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Es zeigt sich, dass multidisziplinär aufgestellte Krankenhäuser mit entsprechender Spezialisierung durchaus eine gute Versorgung gewährleisten können.
Zusätzlich verlangt medizinische Versorgung auch in der heutigen Zeit ein hohes Maß an ethisch-moralischen und sozialen Werten mit der Ergänzung, dass diese durch gute betriebswirtschaftliche Steuerung finanzierbar bleiben muss.
Die Rahmenbedingungen werden zukünftig weiter dazu führen, dass sich Wettbewerbselemente im Gesundheitsmarkt etablieren und die Entgelte pro Fall weiter sinken. Kliniken, die langfristig ihre Zukunft sichern wollen, müssen sich bereits heute auf den Weg machen, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Wobei Sparen allein sicher kein nachhaltiges Rezept darstellt. Vielmehr geht es darum, einen grundlegenden Wandel zu organisieren und wertschöpfungsrelevante Prozesse so zu optimieren, dass sie einer optimalen Versorgung der Patienten und dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis gleichermaßen zuträglich sind. Und nicht zuletzt gilt es auch in der Geriatrie, getreu dem Motto "Vorsorge ist besser als Nachsorge", stärker auf Prävention zu setzen und etwa Stürze zu vermeiden.
- Albrecht M, Töpfer A (2017). Handbuch Changemanagement Krankenhaus. 20-Punkte Sofortprogramm für Kliniken. 2. Auflage, Springer Verlag
- Augurzky B et al. (2017). Krankenhausreport 2017. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. Band 4, RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.
- Ernst F (2012). Neue Entwicklungen in der Krankenhausbegutachtung. Geriatrische Frührehabilitation im Spannungsfeld zwischen Krankenhaus- und Rehabilitationseinrichtungen. DGSMP-Jahrestagung.
- Geissler A (2013). DRG-Systeme in Europa. ZVEI-Jahrestagung 2013. WHO Collaborating Centre for Health Systems, Research and Management.
- Wrobel N (2008). Die Demografie verändert die Grundversorgung. Die geriatrische Komplexbehandlung gehört in jedes Krankenhaus. f&w: 2
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