Prof. Dr. Jan Mehrholz erklärt im Interview, wie Gangroboter wie Endeffektoren und Exoskelette Schlaganfallpatienten helfen und welche Studienlage es dazu gibt.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe verschiedener Arten von Gangrobotern, zum Beispiel die stationären Exoskelette oder die stationären Endeffektoren, aber auch mobile Exoskelette. Für die stationär in der Rehabilitation eingesetzten Endeffektor- und Exoskelettgeräte gibt es mittlerweile eine Vielzahl von kontrollierten und größtenteils methodisch gut durchgeführten Studien. Hinsichtlich des Wiedererreichens der Gehfähigkeit gibt es keine Unterschiede zwischen Exoskelett und Endeffektor, im Übrigen auch nicht bei unterschiedlich schwer betroffenen Patienten nach Schlaganfall. Das heißt, schwerbetroffene Patienten können sowohl mit einem Exoskelett als auch mit einem Endeffektorgerät sinnvoll behandelt werden.
Allerdings, hinsichtlich der Gangparameter wie Gehgeschwindigkeit und Gangausdauer gibt es deutliche Unterschiede zwischen diesen beiden Gerätearten. In indirekten Vergleichen in Metastudien zwischen Exoskelett und Endeffektor schneiden die Endeffektorgeräte deutlich besser ab als die Exoskelette hinsichtlich der Verbesserung von Gehgeschwindigkeit und Gangausdauer. Das heißt, dass Patienten nach Schlaganfall nach einer Behandlung mit Endeffektorgeräten deutlich schneller und länger gehen können. Insgesamt gibt es jedoch keine direkten Vergleiche in klinischen Studien zwischen unterschiedlichen Geräten.
Sie haben ihre Vorteile – ich denke da vor allen Dingen in der Rolle als Geh-Hilfsmittel im Alltag. Doch es gibt für die mobilen Exoskelette bislang wenig Studien zu Trainingseffekten und auch noch kaum wissenschaftliche Evidenz zur Verbesserung von Gangparametern durch ein Training mit solchen mobilen Exoskeletten. Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen keine klare Verbesserung durch ein Gehtraining damit. Darüber hinaus gibt es keinen direkten Vergleich zwischen mobilen und stationären Exoskeletten.
In unserem aktuellen Cochrane Review fanden wir die größten Effekte in den ersten drei Monaten nach einem Schlaganfall. Allerdings gab es auch sehr viele Studien, die zu einem späteren Zeitpunkt noch Effekte zeigen. Etwas bedeutender als der Zeitpunkt und die Phase nach dem Schlaganfall ist der Schweregrad der Patienten. Alle unsere Analysen deuten darauf hin, dass vor allem die schwerbetroffenen Patienten, die gar nicht gehen oder zum Teil noch nicht einmal sitzen können, von dieser Technologie profitieren. Patienten hingegen, die bereits einige Meter weitgehend alleine unter Aufsicht gehen können, profitieren wohl eher nicht von dieser teuren Technologie.
Es ist zurzeit nicht klar, ob sich die Technik für die Praxen lohnt, einerseits hinsichtlich der extrem hohen Kosten und deren Vergütung, andererseits hinsichtlich der Effekte, da die meisten Patienten in ambulanten Praxen gehfähig sind. Ein großes Thema ist die Vergütung für bestimmte Leistungen. Nur wenn solche Therapien verordnungsfähig sind und vergütet werden, würde es sich für die Praxen lohnen.
Herzlichen Dank für dieses Gespräch.
- Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe | thala 2020/03 | www.schlaganfall-hilfe.de | Schulstraß 22 | 33311 Gütersloh | Mario Leisle
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